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Rubrik Gesellschaft

Fluchen im TV stört niemanden mehr


(JPEG) Britische Behörde beobachtet Trend zu Gelassenheit in der Öffentlichkeit. Amerikaner sind weniger gelassen.



Fluchen im Fernsehen regt kaum noch jemanden auf. Konnten die Sex Pistols seinerzeit mit Schimpfwort-Tiraden für Skandal-TV-Auftritte sorgen, stößt sich heute niemand mehr an dem öffentlichen Gefluche. Das zeigen unter anderem aktuelle Analysen der britischen Aufsichtsbehörde Ofcom. Setzt ein Gast in einer Fernsehshow heute Kraftausdrücke ein, so halten sich Beschwerden darüber äußerst in Grenzen. Ein aktuelles Beispiel auf ITV — wo Ex-Sex-Pistols-Mitglied John Lydon mit Schimpfwörtern um sich warf — zog von 10 Mio. Zusehern nur 100 Beschwerden nach sich, berichtet der Guardian.

Wörter wie "Schwuchtel" oder "Spinner" regen niemanden auf, lässt Ofcom wissen. Weiterhin wenig akzeptiert ist allerdings das inzwischen auch im deutschen Sprachraum weit verbreitete "Fuck". Die Regulierungsbehörde ließ die Untersuchung durchführen, um vor allem Mitarbeiter, die mit Beschwerden zu tun haben, besser darüber zu informieren, mit welchen Ausdrücken es möglicherweise Probleme geben könnte.

Auch "Bitch" oder "Scheiße" lockt laut der Untersuchung kaum noch jemanden aus der Reserve — solange die Kraftausdrücke erst nach 21 Uhr im TV zu vernehmen sind. Teils sei es für die Zuschauer sogar in Ordnung, dass schon früher im Programm geflucht wird.

Amerikaner weniger aufgeschlossen

Während sich die Briten offenbar zunehmend gelassen zeigen, sind Amerikaner weniger aufgeschlossen gegenüber öffentlichem Fluchen im Fernsehen. Im vergangenen Jahr wurde in den USA gar ein gesetzliches Fluchverbot eingeführt (pressetext berichtete). Das Verbot gilt für Rundfunk-Sender, nicht für Kabelkanäle, und besagt, dass in Live-Sendungen keine Kraftausdrücke mehr benutzt werden dürfen. Das oben abgebildete Verkehrsschild steht dem entsprechend in Virginia Beach/USA und verbietet Fluchen und ungebührliches Verhalten.

In Deutschland gibt es kein solches Verbot, aber gesetzliche Grundregeln, die die Sender dazu verpflichten, in ihren Programmen die Würde des Menschen zu achten und zu schützen. Auf dieser Basis ist nicht jegliches Fluchen verboten, aber all jene Ausdrücke, die dagegen verstoßen würden.

pte / so
Bild: © peter909 / PIXELIO

Stand: 12. Juni 2010

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